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Betriebsoptimierung nach dem 80/20-Prinzip: Kleine Massnahmen, grosse Wirkung

Welche Stellschrauben den grössten Hebel haben und sich in Monaten amortisieren

4 Min. Lesezeit Für Eigentümer, Facility Manager, Betriebsverantwortliche
Titelbild: Betriebsoptimierung nach dem 80/20-Prinzip: Kleine Massnahmen, grosse Wirkung

Die meisten Gebäudeeigentümer verbinden «Energiesparen» mit hohen Investitionen: neue Heizungen, Fassadensanierungen, PV-Anlagen. Dabei zeigt die Praxis immer wieder dasselbe Muster: Der grösste Hebel liegt nicht in der teuren Hardware, sondern in der intelligenten Einstellung dessen, was bereits verbaut ist. Das ist das 80/20-Prinzip der energetischen Betriebsoptimierung (eBO): Mit rund 20 % des Aufwands lassen sich 80 % der möglichen Einsparungen erzielen, ohne bauliche Eingriffe, ohne Komfortverlust und mit einer Amortisation, die sich oft in Monaten statt Jahren rechnet.

Klingt zu gut? Ist es nicht. Und in diesem Artikel zeige ich, welche Massnahmen konkret den grössten Effekt bringen, warum sie so oft übersehen werden und wie sie sich in Franken rechnen.

Warum sind die einfachen Massnahmen so wirkungsvoll?

Die Erklärung ist einfach: Gebäudetechnische Anlagen, Lüftung, Heizung, Kälte, Beleuchtung, werden bei der Inbetriebnahme einmal eingestellt. Danach passiert oft jahrelang nichts. Die Nutzung ändert sich, die Belegung verschiebt sich, Mieter wechseln, Betriebszeiten passen nicht mehr, aber die Regelung läuft weiter wie am ersten Tag.

Das Ergebnis: Anlagen laufen zu lang, mit zu hoher Leistung, teilweise gegeneinander (Heizen und Kühlen gleichzeitig). Die Energie wird verbraucht, aber sie bringt keinen Nutzen. Genau hier setzen die Quick Wins an: an Parametern und Einstellungen, die mit geringem Aufwand korrigiert werden können und sofort wirken.

Die Top-8 Quick Wins, und was sie bringen

Die folgende Übersicht zeigt die typischen «Low Hanging Fruits» aus der Schweizer Praxis mit ihren realistischen Einsparbandbreiten und Payback-Zeiten.

Quickwins
Quickwins

Ein paar dieser Massnahmen verdienen eine genauere Betrachtung:

Betriebszeiten anpassen (Lüftung): Das ist in den meisten Projekten die Massnahme mit dem grössten Einzeleffekt. Lüftungsanlagen, die rund um die Uhr laufen obwohl das Gebäude nur werktags besetzt ist, verbrauchen buchstäblich doppelt so viel Strom wie nötig. Die Anpassung ist rein regeltechnisch, kein Eingriff in die Hardware. Die Ersparnis: 10 bis 50 %, je nach Ausgangslage. Am Axpo-Hauptsitz in Baden wurde allein damit der Stromverbrauch der Lüftung um 50 % gesenkt.

Heizkurve optimieren: Die Heizkurve definiert, wie stark die Heizung bei welcher Aussentemperatur hochfährt. Ist sie zu steil eingestellt, wird bei milden Temperaturen überheizt. Eine Korrektur kostet nichts, braucht 15 Minuten am Regler und spart 4–6 % Wärmeenergie. In Kombination mit einer sauberen Sommerpause (Heizung komplett ausschalten wenn keine Heizlast besteht) kommen weitere 3–5 % dazu.

Gleichzeitiges Heizen und Kühlen eliminieren: In Gebäuden mit Einzelraumregelung und zentraler Lüftung kommt es regelmässig vor, dass Räume gleichzeitig geheizt und gekühlt werden, ein klassischer Regelungsfehler. Die Korrektur (Sequenzschaltung, Totband, Zonenlogik) ist rein softwareseitig und spart 5–15 % der kombinierten Heiz-/Kühlenergie.

Raumtemperatur −1 °C: Diese Massnahme klingt trivial, hat aber einen enormen Effekt: Jedes Grad weniger spart rund 6–7 % Heizenergie. Von 22 °C auf 21 °C, die meisten Nutzer bemerken keinen Unterschied, die Energierechnung schon.

Beispielrechnung: 3 Quick Wins kombiniert

Wie rechnet sich das konkret? Nehmen wir ein illustratives Bürogebäude mit 5'000 m² Energiebezugsfläche, 22 Rp./kWh Strom und 12 Rp./kWh Wärme, und kombinieren drei der einfachsten Massnahmen:

Beispielrechner
Beispielrechner

Drei Massnahmen, kumuliert knapp 70'000 kWh und fast CHF 12'000 pro Jahr. Der Aufwand: einige Stunden Analyse, Parameteranpassung an Reglern und Leitsystem, keine Materialkosten. Die Amortisation der Beratungskosten: typischerweise unter 6 Monaten.

Und das sind erst drei von acht möglichen Quick Wins. In der Praxis kommen bei einer systematischen eBO-Begehung oft noch weitere Potenziale hinzu, etwa bei der Kälteerzeugung (Verflüssigungstemperatur absenken), bei der Warmwasseraufbereitung oder bei der Gebäudeautomation selbst.

Schweizer Praxisbeispiele: Quick Wins in Aktion

Die Zahlen oben sind illustrativ, aber sie sind nicht aus der Luft gegriffen. Hier drei dokumentierte Beispiele aus realen Schweizer Projekten:

Praxisbeispiele Siehe Quellen im Anhang
Praxisbeispiele Siehe Quellen im Anhang

Was diese Beispiele gemeinsam haben: Es wurden keine Anlagen ersetzt. Es wurde optimiert, was vorhanden war, mit Fachwissen, Messtechnik und dem richtigen Blick auf die Regelung.

Warum werden diese Potenziale so oft übersehen?

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Kein laufendes Monitoring: Ohne Messung weiss niemand, dass die Lüftung auch am Wochenende auf Volllast läuft.
  • Keine Zuständigkeit: Zwischen Eigentümer, Betreiber und Facility Manager fallen Einstellungen in die Lücke.
  • Installateure ≠ Optimierer: Die Anlage wurde korrekt installiert und in Betrieb genommen, aber «installiert» heisst nicht «optimiert».
  • Fehlende Systematik: Ohne strukturierte eBO mit Messkonzept, Analyse und Wirkungskontrolle bleiben Quick Wins unsichtbar.

Genau deshalb ist eine systematische Betriebsoptimierung kein «nice-to-have», sondern der effizienteste Weg, Energiekosten zu senken, und in vielen Kantonen obendrein eine gesetzliche Pflicht (→ [Thema 1: Betriebsoptimierung richtig dokumentieren]).

Wie unser Tool dabei unterstützt

Unser EN-142-basiertes BO-Tool macht genau diesen Prozess systematisch und effizient: Von der strukturierten Begehung über die Messstellenplanung bis zum prüfsicheren Massnahmenkatalog mit Einsparerwartung und Wirkungskontrolle. So werden Quick Wins nicht nur identifiziert, sondern auch sauber dokumentiert, und die Wirkung wird messbar belegt.

Kontaktieren Sie uns, für eine Unterstützung oder direkte Ausführung einer eBO in Ihrem Objekt:

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Quellen und weiterführende Grundlagen

  • EnergieSchweiz: Betriebsoptimierung (energieschweiz.ch)
  • KMU-Magazin: «Finanzielle Unterstützung für Betriebsoptimierungen» (Praxisbeispiele Spital Zollikerberg, Axpo)
  • Energie-Experten.ch: Betriebsoptimierung in der Praxis (Schulareal Weisslingen)
  • Kanton Basel-Stadt: Energetische Betriebsoptimierung (bs.ch)
  • EnAW: Massnahmen Betriebsoptimierung (enaw.ch)
  • MuKEn 2014, Modul 8: Energetische Betriebsoptimierung (EnDK)

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