Warmwasser ist ein Komfortgut, das in jedem Gebäude erwartet wird: sofort verfügbar, angenehm temperiert, hygienisch einwandfrei. Genau diese Erwartung führt in der Praxis dazu, dass Warmwasseranlagen chronisch überdimensioniert und zu heiss betrieben werden. Die Folge: ein erheblicher Teil der eingesetzten Energie geht nicht in die Nutzung, sondern in Bereitschafts- und Zirkulationsverluste.
In Gewerbe- und Dienstleistungsgebäuden kann der Zirkulationswärmebedarf illustrativ 25 bis über 50 Prozent des gesamten Endenergiebedarfs für Warmwasser ausmachen. Das bedeutet: Von jeder Kilowattstunde, die der Wärmeerzeuger für Warmwasser bereitstellt, kommt oft nur die Hälfte tatsächlich an der Zapfstelle an. Der Rest verpufft in Leitungen, Speichern und Pumpen.
Dieser Artikel zeigt fünf Hebel, mit denen sich der Warmwasserbetrieb ohne bauliche Eingriffe verbessern lässt, ohne die Hygiene zu gefährden.

1. Speichertemperatur prüfen: heisser ist nicht besser
In vielen Anlagen steht der Warmwasserspeicher auf 65 oder sogar 70 °C. Die Begründung: Legionellenschutz, Sicherheitsmarge, «war schon immer so». Doch die Norm verlangt am Speicherausgang mindestens 60 °C und in der Zirkulation mindestens 55 °C. Alles darüber erzeugt unnötige Bereitschaftsverluste und belastet den Wärmeerzeuger.
Der Effekt ist direkt: Die Wärmeverluste eines Speichers steigen proportional zur Temperaturdifferenz gegenüber der Umgebung. Wer den Sollwert von 70 °C auf 60 °C senkt, reduziert die Bereitschaftsverluste um illustrativ 5 bis 8 Prozent pro 5 Kelvin Absenkung. Gleichzeitig sinkt die Belastung des Wärmeerzeugers, was besonders bei Wärmepumpen relevant ist: Jedes Grad weniger verbessert die Arbeitszahl.
Die Massnahme beginnt mit einer Temperaturmessung am Speicher (Soll vs. Ist) und an der entferntesten Zapfstelle. Liegt die Temperatur dort sicher über 55 °C, ist meistens Spielraum nach unten vorhanden. Wichtig: Die Absenkung muss im Einklang mit dem Legionellenschutzkonzept stehen. Die Hygiene hat Vorrang.
2. Zirkulation optimieren: der stille Energiefresser
Die Zirkulationspumpe sorgt dafür, dass an jeder Zapfstelle sofort warmes Wasser verfügbar ist. Der Komfortgewinn ist unbestritten. Das Problem: In vielen Gebäuden läuft die Pumpe 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr, auch wenn nachts und am Wochenende niemand Warmwasser braucht.
Die Wärmeverluste entstehen dabei nicht primär durch den Stromverbrauch der Pumpe (moderne Hocheffizienzpumpen brauchen unter 10 Watt), sondern durch die ständige Abkühlung des Warmwassers in den Leitungen. Die Zirkulationsleitung wird zur Heizfläche, die das Gebäude permanent mit ungewollter Wärme versorgt.

Die einfachste Gegenmassnahme ist ein Zeitprogramm. Eine achtstündige Nachtabschaltung reduziert die Zirkulationsverluste um illustrativ 25 Prozent und den Pumpenstromverbrauch um rund ein Drittel. Wer die Laufzeiten weiter auf die tatsächlichen Nutzungszeiten einschränkt (beispielsweise 6 bis 8 Uhr und 11 bis 14 Uhr und 17 bis 20 Uhr in einem Bürogebäude), kann den Effekt verdoppeln.
Der nächste Schritt ist die bedarfsgeführte Steuerung: Temperaturgeführte Pumpen messen die Rücklauftemperatur und schalten ab, sobald die Zieltemperatur erreicht ist. Selbstlernende Systeme analysieren das Verbrauchsverhalten und aktivieren die Pumpe nur in den Minuten vor der erwarteten Entnahme. Illustrativ lässt sich die tägliche Laufzeit damit von 16 auf unter 5 Stunden senken.
Entscheidend ist: Jede Abschaltung oder Reduktion der Zirkulation muss im Einklang mit den Hygieneanforderungen stehen. Die Zirkulationsrücklauftemperatur darf nicht unter 55 °C fallen, und nach längeren Stillstandsphasen muss ein thermischer Spülvorgang sichergestellt sein.
3. Legionellenschutz hinterfragen: Sicherheit ja, Verschwendung nein
Der Legionellenschutz ist nicht verhandelbar. Legionellen vermehren sich im Temperaturbereich zwischen 25 °C und 50 °C und können über Aerosole (Duschen, Befeuchter) schwere Lungenentzündungen verursachen. Jede Warmwasseranlage in Gebäuden mit Publikumsverkehr oder Mietwohnungen braucht ein dokumentiertes Hygienekonzept.
Was aber verhandelbar ist: die Art und Intensität der thermischen Desinfektion. In der Praxis wird die sogenannte Legionellenschaltung häufig pauschal auf 70 °C programmiert, einmal pro Woche oder sogar täglich. Das erfordert erhebliche Energie, besonders wenn der Wärmeerzeuger dafür aus einem effizienten Niedertemperaturbetrieb auf Hochtemperatur hochfahren muss.
Die Fragen, die sich lohnen: Ist die Frequenz der thermischen Desinfektion dem tatsächlichen Risiko angemessen? Liegt ein aktueller Legionellenprüfbericht vor, der die Ergebnisse bestätigt? Kann die Desinfektionstemperatur auf 65 °C reduziert werden, wenn die Haltezeit verlängert wird? Gibt es Totleitungen oder selten genutzte Zapfstellen, die das eigentliche Risiko darstellen, während die Schaltung das gesamte System aufheizt?
In vielen Fällen zeigt sich: Das Legionellenrisiko liegt nicht in der Speichertemperatur, sondern in der Stagnation. Leitungsstränge, die wochen- oder monatelang nicht durchflossen werden, sind die eigentliche Gefahr. Die thermische Desinfektion bekämpft dann Symptome statt Ursachen. Wirksamer ist häufig, Totleitungen stillzulegen, selten genutzte Stränge zu spülen und das Leitungsvolumen insgesamt zu minimieren.
4. Leitungsverluste minimieren: die unsichtbare Heizung
Die Warmwasserleitung und die Zirkulationsleitung verlieren auf ihrem gesamten Weg durch das Gebäude Wärme. In vielen Bestandsgebäuden sind diese Leitungen unzureichend gedämmt, teilweise in ungedämmten Schächten oder abgehängten Decken verlegt, und geben permanent Wärme ab, die niemand braucht.
Die Grössenordnung ist relevant: Illustrativ können die Leitungsverluste 25 bis 50 Prozent der gesamten Warmwasserenergie ausmachen. Eine Verbesserung der Dämmung allein reduziert die Verluste um illustrativ 15 Prozent. Werden Vor- und Rücklaufleitungen gemeinsam in einer konvektionsdichten Dämmung geführt, liegt das Einsparpotenzial bei 45 bis 60 Prozent der Leitungsverluste.
Neben der Dämmung lohnt sich ein systematischer Check auf Totleitungen: Leitungsstränge, die zu stillgelegten Zapfstellen führen, zu selten genutzten Bereichen (Kellerdusche, nicht mehr genutzte Teeküche) oder als Reserveanbindung verlegt wurden. Jede Totleitung verliert Wärme und erhöht das Stagnationsrisiko. Stilllegen oder Rückbauen ist die beste Lösung.
Auch die Schwerkraftzirkulation verdient Aufmerksamkeit: In Anlagen ohne Schwerkraftbremse zirkuliert das Warmwasser auch bei abgeschalteter Pumpe durch natürlichen Auftrieb weiter. Die Verluste laufen dann rund um die Uhr, unabhängig vom Zeitprogramm. Eine Rückschlagklappe oder Schwerkraftbremse in der Zirkulationsleitung löst das Problem.
5. Systemwahl hinterfragen: Speicher, Frischwasserstation oder dezentral?
Nicht jedes Warmwassersystem passt zu jedem Gebäude. In der Betriebsoptimierung lohnt sich die grundsätzliche Frage, ob das bestehende System dem tatsächlichen Bedarf entspricht.
Der klassische Grossspeicher (300 bis 1 000 Liter oder mehr) wurde für Spitzenbedarfe ausgelegt, die in vielen Gebäuden gar nicht auftreten. Ein zu grosser Speicher bedeutet: mehr stehendes Warmwasser, höhere Bereitschaftsverluste, grösseres Legionellenrisiko und ein Wärmeerzeuger, der permanent auf hoher Temperatur arbeitet.
Frischwasserstationen bieten eine Alternative: Das Trinkwasser wird erst im Moment der Entnahme über einen Wärmetauscher erwärmt, es gibt kein gespeichertes Warmwasser und damit praktisch kein Legionellenrisiko. Die Bereitschaftsverluste entfallen vollständig. Besonders in Kombination mit Wärmepumpen sind Frischwasserstationen attraktiv, weil der Pufferspeicher nur die Heizungsseite bedient und bei niedrigeren Temperaturen betrieben werden kann.
Für Gebäude mit stark unterschiedlichen Nutzungszonen (Büroetagen ohne Duschbedarf, Fitness- oder Kantinenbereich mit hohem Bedarf) kann eine dezentrale Lösung sinnvoll sein: Warmwasser nur dort zentral bereitstellen, wo tatsächlich grosse Mengen gebraucht werden, und einzelne Zapfstellen mit Durchlauferhitzern oder Kleinspeichern versorgen. Das eliminiert lange Leitungswege und die zugehörigen Verluste.
Reihenfolge der Umsetzung
Bewährt hat sich folgendes Vorgehen:
Zuerst die Speichertemperatur messen und mit den Hygieneanforderungen abgleichen. Wo eine Überhöhung besteht, den Sollwert schrittweise senken. Dann die Zirkulation analysieren: Läuft die Pumpe im Dauerbetrieb? Gibt es ein Zeitprogramm? Ist es auf die tatsächlichen Nutzungszeiten abgestimmt? Anschliessend die Legionellenschaltung prüfen: Frequenz, Temperatur und ob die Massnahme das richtige Problem adressiert. Parallel die Leitungsdämmung beurteilen und Totleitungen identifizieren. Zuletzt die grundsätzliche Systemfrage stellen: Passt der bestehende Ansatz noch zum Gebäude?

Fazit
Warmwasser ist in der Betriebsoptimierung ein unterschätztes Thema, weil die Verluste unsichtbar sind. Niemand sieht, wie viel Energie in der Zirkulationsleitung verloren geht oder wie viel überschüssige Wärme der Speicher an den Technikraum abgibt. Doch die Zahlen sprechen für sich: Illustrativ gehen in vielen Gebäuden mehr als die Hälfte der Warmwasserenergie nicht in die Nutzung, sondern in Verluste.
Die fünf beschriebenen Hebel setzen genau dort an. Sie erfordern kein neues System, keinen Umbau und keine grossen Investitionen. Gefragt sind eine systematische Bestandsaufnahme, ein klares Hygienekonzept und der Wille, Komfort und Effizienz in ein besseres Gleichgewicht zu bringen.
🔗 WENGET GmbH
Quellen und weiterführende Informationen
- SIA 385/1: Anlagen für Trinkwarmwasser in Gebäuden
- SVGW W3: Richtlinie für Trinkwasserinstallationen
- DVGW W 551: Trinkwassererwärmungs- und Leitungsanlagen (technische Massnahmen zur Legionellenprävention)
- MuKEn 2014: Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich
- EnergieSchweiz / BFE: Informationsplattform für Energieeffizienz in Gebäuden
- TU Dresden: Forschungsprojekt «Zirkulationswärmebedarf» (Daten zu Leitungsverlusten)
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